Das Märchen vom Beamtenstaat Österreich

Die Beamtenrepublik Österreich ist nur ein Märchen.Viele Länder beschäftigen deutlich mehr Mitarbeiter/innen im öffentlichenDienst

Zu viele Beamte, zu wenig Leistung, zu hohe Kosten.Das ist der Eindruck, der oft vermittelt wird, wenn es um den öffentlichenDienst geht. Nun zeigt ein Vergleich der OECD: Das Märchen vom BeamtenparadiesÖsterreich stimmt in dieser Form ganz und gar nicht. Warum das so ist, lesenSie hier auf kommunalnet.at.

Kein Tag vergeht, an dem nicht der öffentliche DienstZielscheibe von Medien und Politik ist. "Verwaltungsreform" ist einhäufig gebrauchtes und selten umgesetztes Wort, möchte man meinen. In derWahrnehmung der meisten Menschen ist Österreich ein Beamtenparadies.

Mit überraschender Deutlichkeit entkräftet nun eineUntersuchung der OECD diese Wahrnehmung. Die OECD (Organisation for EconomicCooperation and Development) vereinigt 34 Länder auf der ganzen Welt, die sichzu Demokratie und Marktwirtschaft bekennen (eine Liste der Mitglieder finden Sie hier). In einem aktuellen Vergleich zwischen 36 Staaten (OECD-Mitglieds-und Partnerländer) wird der Anteil des öffentlichen Dienstes an derGesamtbeschäftigung der Mitgliedsländer dargestellt. Und siehe da: In 21Ländern ist der Anteil der öffentlich Bediensteten an der Gesamtbeschäftigungdeutlich höher als in Österreich, das weit unter dem OECD-Schnitt liegt. Auchdie Entwicklung zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2008 wurde untersucht.

Die Zahlen der OECD zeigen: Der Anteil öffentlichBediensteter an der Gesamtbeschäftigung ist in Österreich deutlich geringer,als in vielen anderen Ländern.

Derzeit liegt Österreich bei einemBeschäftigungsanteil des öffentlichen Dienst von 11,4 Prozent. 2008 waren es noch13,5 Prozent. Das sind rund 350.000 Personen, die beim Bund, den Ländern oderden Gemeinden beschäftigt sind. 132.804 davon arbeiten im Bundesdienst (jeweilsVollzeitäquivalente), die Länder beschäftigen 142.798 Mitarbeiter/innen, dieGemeinden (Wien wird als Bundesland gerechnet) beschäftigen 74.922Mitarbeiter/innen.

Skandinavische Länder mit größtem Anteil anStaatsdienern

Im Durchschnitt betrug der Anteil des öffentlichenDienstes an der Gesamtbeschäftigung im Jahr 2008 in den OECD-Staaten 15,0 Prozent(2000: 15,2 Prozent). Spitzenreiter in negativer Hinsicht sind ausgerechnet dieskandinavischen Staaten, die gerade bei Gemeinde- und Verwaltungsreformen immerwieder als Vorbilder genannt werden. So arbeitet in Norwegen fast jeder dritteunselbstständig Erwerbstätige (29,3 Prozent) für den Staat, im Rankingdicht dahinter Dänemark (28,7 Prozent), Schweden (26,2 Prozent) und Finnland(22,9 Prozent). Das erste nicht-skandinavische Land in diesem Ranking istFrankreich mit 21,9 Prozent öffentlicher Beschäftigungsquote.

Die geringste öffentliche Beschäftigungsquote weisenübrigens Korea (5,7 Prozent) und Japan (6,7 Prozent) aus. Griechenland liegtmit 7,9 Prozent nur scheinbar gut, hier ist der Anteil ausgliederter Bereichebesonders hoch.

Österreich deutlich besser als USA oder Kanada

Mit seinen 11,4 Prozent Staatsdienern liegt Österreichübrigens noch weit besser, als etwa die USA, wo 14,6 Prozent im öffentlichenDienst beschäftigt sind. Auch Kanada (16,5 %) oder Australien (15,6 %)schneiden deutlich schlechter, als Österreich ab. Russland ist mit einem Anteilvon 20,1 Prozent auch noch unter den schlechtesten Ländern. Im Zeitraumzwischen 2000 und 2008 haben Österreich und Mexico relativ gesehen am meistenStaatsdiener abgebaut (minus 2,1 Prozent)

Die Daten im Detail:

Ranking

Land

Beschäftigungs- quote öffentlicher Dienst 2000

Beschäftigungs- quote öffentlicher Dienst 2008

Veränderung in Prozent zwischen 2000 und 2008

1

Norwegen

29,5 %

29,3 %

-0,2

2

Dänemark

29,7 %

28,7 %

-1,0

3

Schweden 

27,7 %

26,2 %

-1,5

4

Finnland 

22,2 %

22,9 %

+0,7

5

Frankreich   

21,8 %

21,9 %

+0,1

6

Ungarn

20,4 %

19,5 %

-0,9

7

Estland

17,3 %

18,7 %

+1,4

8

Luxemburg 

16,1 %

17,6 %

+1,5

9

Großbritannien

16,8 %

17,4 %

+0,6

10

Belgien 

16,8 %

17,1 %

+0,3

11

Kanada 

15,9 %

16,5 %

+0,6

12

Israel 

17,3 %

16,5 %

-0,8

13

Australien

15,1 %

15,6 %

+0,5

 

OECD Durchschnitt

15,2 %

15,0 %

-0,2

14

Irland 

15,4 %

14,8 %

-0,6

15

Slowenien 

14,3 %

14,7 %

+0,4

16

USA

14,8 %

14,6 %

-0,2

17

Italien

15,3 %

14,3 %

-1,0

18

Tschechien

12,8 %

12,8 %

+/- 0

19

Spanien

12,2 %

12,3 %

+0,1

20

Portugal 

13,6 %

12,1 %

-1,5

21

Niederlande 

12,7 %

12,0 %

-0,7

22

ÖSTERREICH

13,5 %

11,4 %

-2,1

23

Türkei

9,4 %

11,0 %

+1,6

24

Slowakei

8,6 %

10,7 %

+2,1

25

Neuseeland

10,1 %

9,8 %

-0,3

26

Polen

10,8 %

9,7 %

-1,1

27

Schweiz

9,9 %

9,7 %

-0,2

28

Deutschland

11,1 %

9,6 %

-1,5

29

Chile 

9,6 %

9,1 %

-0,5

30

Mexiko 

10,9 %

8,8 %

-2,1

31

Griechenland 

6,8 %

7,9 %

+1,1

32

Japan 

7,7 %

6,7 %

-1,0

33

Korea  

 

5,7 %

 

 

 

Quellen:
OECD 2011, Beschäftigung im Öffentlichen Dienst
Das Personal des Bundes in Zahlen 2011